Finissage und performatives Konzert am 04. Januar 2026, 16.00 Uhr
Zum Abschluss der Ausstellung Hic sunt leones wird Barnabas Jacob Herrmann den Raum zwischen seinen Bildern mit einem performativen Konzert noch einmal musikalisch aktivieren.
Analog zu seiner malerischen Arbeitsweise entfaltet sich auch sein musikalischer Klang im Zwischenraum der Formen. Die üblichen Einheiten der Musik – Intervalle, Rhythmen, Melodien – sind, von nahem betrachtet, eingerahmt und durchsetzt von lauter Zufälligkeiten und Nebensachen: dem Geräusch des Ein- und Ausatmens, den Bewegungen der Klappen des Instruments, dem Räuspern vor dem Beginn, den kaum wahrnehmbaren Gesten, die den Ton modulieren. Diesen verleiht Barnabas Jacob Herrmann in seinen freien Improvisationen ein eigenes autonomes Leben, indem er sie wiederholt, übertreibt, schichtet und in die Länge zieht. Mit Querflöte und Stimme wird vertrautes musikalisches Material in überraschende und assoziationsreiche Klanglandschaften verwandelt, die die Bordune des Harmoniums zum Flirren bringen – amorphe Klangzeichen in einem Gehege aus Orgeltönen.
Vernissage Sonntag, 02. November 2025, 11:30 Uhr
Hic sunt leones – „Hier sind Löwen“ bezeichnete auf alten Karten Gebiete, über die man nichts wusste. Der weiße Fleck auf der Landkarte, überschrieben mit dem Namen eines Tiers, das alle Assoziationen an das Unbekannte bündelte und so einen Raum beschrieb, der sowohl Gefahr als auch Verheißung bedeuten konnte.
Erst mit dem Verschwinden der letzten weißen Flecken von den Landkarten der Erde entstand die Sehnsucht der Menschen nach dem, was dort zu finden gewesen wäre. Die vollständig technisierte Kultur baut sich in ihre Mitte einen Garten, entworfen nach dem Idealbild ihres konstruierten Gegenübers – der wilden Natur.
Im Zoo sind Löwen, und doch gibt es dort über Löwen kaum etwas, über Menschen aber vieles zu erkennen.
Barnabas Jacob Herrmann interessiert sich in seiner künstlerischen Arbeit für das begriffliche Konstrukt der Natur und dessen bildliche Repräsentation. Das zentrale Medium seiner Praxis ist die Malerei, in der assoziative Qualitäten verschiedener Motive untersucht werden. Ausgehend von vorgefundenem Bildmaterial, wissenschaftlichen Illustrationen, Spielzeugen, Zooarchitekturen oder musealen Dioramen entstehen Kompositionen, die diese Formen aufeinanderprallen lassen, zum Verschwimmen oder Vibrieren bringen und wiederholt die Frage umkreisen, wie die Welt, die uns umgibt, in unseren Kopf hinein- und aus diesem wieder herauskommt. Die Bilder führen in assoziative Räume, die auf den ersten Blick vertraut erscheinen, deren figurative Elemente sich jedoch bald als Kulisse entpuppen und zum Nachdenken über das Verhältnis von Materie und Imagination anregen.
Barnabas Jacob Herrmann wuchs in Herdecke (Nordrhein-Westfalen) in einer Grenzregion zwischen Wäldern und Industriegebieten auf. Er studierte in Leipzig Philosophie, Musik- und Kunstpädagogik und seit 2023 Malerei bei Anne Neukamp an der HfBK Dresden.